Freunde gewinnen. Spaß haben. Nervenkitzel spüren. In Kroatien.

Urlaubszeit! Und wieder einmal hat es mich nach Kroatien gezogen, unter Anderem um die Mountainbiker zu besuchen, die ich dort in den letzten Jahren kennengelernt hab. Die Jungs organisieren jedes Jahr ein kleines, aber feines, privates Downhill-Rennen bei Nacht. Im Jahr davor war ich noch Zuschauer, aber dieses Jahr wollte ich etwas weiter gehen.

Das Downhill-Rennen und anschließende Grillen wird ziemlich ungezwungen von einem Rudel Mountainbike-Freunden organisiert und ist in erster Linie ein Fun-Event. Gefahren wird bei Nacht nur mit Eigenbeleuchtung. Die Strecke wird bei Tag einmal begangen und sobald es dunkel genug ist, geht’s los. Gestartet wird in zwei Klassen. Junior Class und die Klasse für alte Säcke wie mich: Senior Class. Die Senior Class ist übrigens ab 30.

Die Strecke ist nicht unbedingt anspruchsvoll und hatte nur zwei Drops, die nicht höher als 1,0m waren. Dafür ist sie ordentlich auf Speed ausgelegt, was bei stockfinsterer Nacht nicht ohne ist. Die Jungs haben Ihr Privatrennen „Death by Night“ getauft, was mir schon im Vorfeld genug Respekt eingeflößt hat.

Als es dann am Abend soweit war, ist genau das eingetroffen, wovor ich die meiste Angst hatte: Es begann erst zu nieseln und dann zu regnen. Dadurch wurden die Streckenverhältnisse schlechter als gedacht und ich dachte schon daran meine Teilnahme zu canceln. Aber dann kam da wieder der beschissene Ehrgeiz zum Vorschein.

Nachdem wegen des schlechten Wetters die Fahrt zum Start abgesagt wurde, wurden alle Biken in einen Transporter geladen und mitsamt der Fahrer zum Start hoch gefahren. Dort gab es eine kurze Einweisung und es wurde recht zügig mit dem Start begonnen.

Ich bekam durch Auslosung die Startnummer 28 in meiner Klasse und sah bei ein paar Startern schon, dass sie in der ersten Kurze vor einem Waldstück gelegt wurden, weil es dort gehörig schlammig wurde durch den Regen. Innerlich dachte ich mir: Ist notiert. Da musst Du aufpassen.

Und dann ging es auch schon los.

Wie geplant bin ich extrem vorsichtig in die erste Matschkurve gefahren und selbst da ist mir kurz das Hinterrad ausgebrochen. Danach rein in’s Waldstück, was einigermaßen trocken war. Also Vollgas und kräftig in die Pedale treten. Dazwischen gab es ein offenes Stück mit dem ersten Drop. Das war zwar nass, aber gerade, also einfach Augen zu und durch. Die Umgebung verschwimmt. Man nimmt zur Seite nichts mehr wahr. Ein ziemlicher Rausch.

Unten raus aus dem nächsten Waldstück wurde der Regen stärker und die Sicht einfach gesagt: Beschissen. Aber ich hatte ein wirklich gutes Gefühl bisher und mein Ziel war eigentlich unter die ersten 10 zu kommen, unrealistisch oder nicht.

Der letzte Teil mit dem höheren Drop bestand überwiegend aus Kies, vereinzelt Wurzelwerk und recht großem kantigen Steinen. In dem Moment dachte ich: Wenn es Dich jetzt zerlegt, ist Feierabend und kroatische Krankenhäuser sind bestimmt nicht der Ort an dem ich den Rest des Urlaubs sein möchte, also aufpassen.

Dann ging es um die letzte Kurze und der Parkplatz mit dem Ziel war vor mir, was ich ehrlich nicht erwartet hatte. Es ging schneller vorbei, als ich dachte. Und da war er auch schon: Der gefürchtete Verbremser direkt nach dem Ziel. Aber wenigstens erst nach dem Ziel.

Geschafft! Verdammte Scheiße! (Man entschuldige die Ausdrucksweise)

Nun verfolgte ich unter dem provisorisch aufgestellten Pavilion die anderen Fahrer meiner Klasse, die nach und nach ins Ziel kamen. Mein Gefühl bzgl. der Platzierung war allerdings nicht wirklich gut oder existent.

Als der letzte Fahrer mit der Startnummer 28 durch war. Kam auch schon Goran, der auch im Rennen mitgefahren war, und meinte nur „Shitty weather. Let’s get the racing times and do the rankings!“. Nebenbei starteten die Fahrer der Junior Class.

Eine halbe Stunde später standen wir alle unter dem großen Pavilion und es gab ganz ungezwungen die Urkunden, viel Gelächter und unzählige Umarmungen und Gratulationen von Jedem an Jeden. Selten hab ich so erlebt, dass es einfach nur um Respekt ging. Der Gewinner war übrigens so fies schneller als ich, dass ich mit meiner Platzierung für die nächsten zwei Tage trotzdem ein übles Dauergrinsen im Gesicht hatte:

7. Platz

Sehr sehr geil! Einen Nachteil hatte der ganze Regen im Nachhinein. Mein Smartphone und meine Kamera blieb im Auto und so bleiben mir nur ein Foto der Urkunde, meines abgekämpften, aber glücklichen Ausdrucks direkt nach dem Rennen und meinem Schienbein nach dem Ziel-Sturz trotz Protektor.

dbn-urkunde
dbn-geschafft dbn-sturz

P.S.: Austragungsort und Mitfahrer sind übrigens mit Absicht nicht öffentlich. Goran hat mich darum gebeten, sollte ich einen Artikel schreiben. Genehmigungen und so. 😉

Ein Gedanke zu „Freunde gewinnen. Spaß haben. Nervenkitzel spüren. In Kroatien.

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