Gedanken zur 2-Meter-Regel.

Ich liebe den Wald und die Natur. Und ich liebe Singletrails.

Für manche Menschen, insbesondere einige Politiker, scheint diese Aussage allerdings nicht zusammenzupassen. Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Aber ich kann zumindest meinen Standpunkt erklären.

Der Wald und die Natur sind für mich Teil meines Sports und Teil meiner Erholung vom täglichen Stress der Arbeit. Er ist ein fester Bestandteil meiner Naherholung und meines Urlaubs. Dort schöpfe ich Kraft, aber werde aber auch überschüssige Kraft los.

Ich fahre oft und gerne enge Wege, kleine Pfade und neue Gebiete. Allerdings befahre ich jeden neuen Weg und jedes neue Gebiet zuerst in relativ gemächlichem Tempo um sowohl Gefahrenstellen für mich und andere abschätzen zu können. Auf meinen letzten 4 Singletrail-Touren bin ich während der ganzen Stunden keiner Menschenseele begegnet. Weder Mensch, noch Tier. Was mir allerdings begegnet ist, ist hier und da Müll, der den Wald verunreinigt. Für diese Eventualität habe ich immer eine Plastiktüte dabei, wenn es der Füllstand meines Rucksacks zulässt und so kann es schon einmal sein, dass ich den Wald mit mehr Müll im Rucksack verlasse als ich ihn betreten habe.

Warum?

Weil ich den Wald schätze und erhalten möchte. Deshalb ist mir die Einstellung „Mountainbiker zerstören den Wald“ vollkommen unverständlich. Bei Rücksichtnahme auf NaturMensch und Tier gibt es keine Zerstörungen und keine gegenseitigen Gefährdungen oder Störungen. Ganz im Gegenteil. Die meisten Mountainbiker sehen es genau so wie ich und achten die Natur und die anderen Menschen, die ihn zur Erholung nutzen. Sie wissen, dass die Natur nur als Erholungsort dienen kann, wenn dies alle tun.

Die 2-Meter-Regel…

…geht in höchstem Maße davon aus, dass alle Mountainbiker die Natur nur als Spasspark nutzen und einzig auf Ihr Vergnügen aus sind. Das ist meiner Empfindung nach eine Diskriminierung und, was die Diskussion durch Politiker angeht, eine Diskreditierung eines kompletten Sport-Zweigs.

Die breite Masse der vernünftigen Mountainbiker wird aufgrund sehr weniger schwarzer Schafe an der Ausübung Ihres Sports gehindert und als Rowdies hingestellt. Weder schaden wir der Natur, noch der Forstwirtschaft, noch gefährden wir Wanderer mit der Ausübung unseres Sports. Ich empfinde das als böswillige Unterstellung! Leider gibt es auch einige Wanderer, die sich ohne die geringste Bedrohung durch die Mountainbiker gestört fühlen. Das kommt allerdings meiner Meinung nach eher davon, dass die Wanderer den Wald und die Natur als „Ihr Revier“ betrachten und der relativ neuen Entwicklung „Mountainbiken“ aufgrund der Berichterstattung negativ und vorurteilsbehaftet gegenüber stehen.

Ganz nebenbei: Wäre es sinnvoll und fair von mir zu fordern, alle Wanderer aus dem Wald zu verbannen, nur weil ich ab und zu den offensichtlich von Wanderern achtlos weggeworfenen Müll aufsammlen und entsorgen muss um einen sauberen Trail vorzufinden? Ich denke nicht!
Denn der Großteil der Wanderer verhält sich genauso respektvoll gegenüber der Natur wie wir Mountainbiker. Weshalb sollte man also die Masse für die Verfehlungen von Einzelnen bestrafen?

Es gibt übrigens auch eine interessante Zusammenfassungmit dem Thema „O-Töne zur 2-Meter-Regelung in Baden-Württemberg“ der Facebook-Gruppe „Open Trails“ bzw. der DIMB (Deutsche Initiative Mountain Bike e.V.) im PDF-Format.

Dialog

Bisher sind mir in heimischen Wäldern zweimal Wanderer und Spaziergänger begegnet, die mich angesprochen haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier ein ruhiges und sachliches Gespräch Wunder wirkt, zum Einen zeigt, dass da ein verantwortungsbewußter Mensch auf dem MTB sitzt und um Anderen hilft der sinnvolle Dialog den anderen Parteien zu verstehen, warum wir es lieben und dass es dabei nicht um Zerstörung, sondern um Sport und Erholung geht.

Fazit

Die 2-Meter-Regelung ist in höchstem Maße diskriminierend gegenüber Mountainbikern und sollte, auch im Hinblick auf eine Stärkung des MTB-Tourismus der Region, abgeschafft werden. Eine Gefährdung von Mensch, Flora und Fauna ist schlicht und einfach nicht gegeben.

Just my 2 cents. Oder eben meine 2 Pfennig. 😉

6 Gedanken zu „Gedanken zur 2-Meter-Regel.

  1. antonio

    hey Harry,
    das ist mal ein sehr realer Standpunkt, auch sehr respektvoll den Wanderern gegenüber, manche sind ja sowohl Biker als auch Wanderer.
    Daher meinen größten Respekt, kann man sowas nichtmal in Zeitungen veröffentlichen?

    Grüße

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  2. Harry Beitragsautor

    Hi Antonio.

    Danke fürs Lob. 🙂
    Du hast Recht, vielleicht sollten einfach auch mehr Mountainbiker in der lokalen Presse versuchen zu diesem Thema Leserbriefe und/oder Gastartikel unterzubringen.

    Gruß,
    Harry

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  3. Rainer

    Ich komme aus Niedersachsen und der Sinn einer solchen 2 Meter Regel hat sich mir noch nie so recht erschlossen. Der Wald ich doch für alle da, insbesondere wenn man umweltverträglich mit Pferd oder Rad unterwegs ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass viele Wanderer auf Singletrails unterwegs sind. Ich habe bisher jedenfalls noch keine auf meinen Strecken gesehen, sondern eher auf den typischen Wanderwegen, die ohnehin breiter sind. Und wenn, dann findet man bestimmt eine Lösung, wenn man ordentlich kommuniziert.

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  4. Harry Beitragsautor

    Hi Rainer.

    Genau so sehen ich das auch. Leider scheint das irgendwie ein Problem zu sein. Vielleicht weil viele Angst haben etwas zu „verlieren“? Wenn ich mit Wanderern im Dialog bin, hatte ich bisher noch nie jemand, der wirklich schonmal ein Problem mit einem MTBiker hatte. Aber hier in BW scheint das auch ein Politikum geworden zu sein, welches unter anderem an einem stocksturen Minister hängt, der auf Kosten der Mountaikbiker seinen Kopf durchsetzen möchte und wohl schätzt, dass mit Wanderern mehr Wählerstimmen als mit Mountabikern zu ergattern sind.

    Allseits gute Wege wünsch ich Dir!

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